. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . lyrik/ schwierigkeit
schwierigkeit des regierens
[bertolt brecht]
Die Minister verkünden unaufhörlich dem Volk
Wie schwer das Regieren sei. Ohne die Minister
Würde das Korn in den Boden wachsen anstatt nach oben.
Kein Stück Kohle käme aus dem Schacht
Wenn der Kanzler nicht so weise wäre. Ohne den
Propagandaminister
Ließe sich kein Weib mehr schwängern. Ohne den
Kriegsminister
Käme niemals ein Krieg. Ja, ob die Sonne früh aufginge
Ohne die Genehmigung des Führers
Ist durchaus fraglich, und wenn, dann
An der falschen Stelle.
Ebenso schwer ist es auch, wie sie uns sagen
Eine Fabrik zu leiten. Ohne den Besitzer
Würden die Mauern umfallen und die Maschinen
verrosten heißt es.
Selbst wenn irgendwo ein Pflug hergestellt würde
So käme er nie auf einen Acker ohne
Die schlauen Worte, die der Unternehmer an die Bauern
schreibt: wer
könnte ihnen sonst mitteilen, daß es da Pflüge gibt?
Und was
Würde aus einem Gutshof ohne den Gutsbesitzer? Sicher
Würde man den Roggen säen, wo schon die Kartoffeln
Gesetzt sind.
wenn das Regieren leicht wäre
bräuchte man keine so erleuchteten Geister wie den Führer.
Wenn der Arbeiter wüßte, wie er seine Maschine bedienen soll
Und der Bauer einen Acker von einem Nudelbrett
unterscheiden könnte
bräuchte man weder einen Fabrikanten noch einen
Gutsbesitzer.
Nur weil alle so dumm sind
Braucht man einige, die so klug sind
Oder sollte es so sein
Daß das Regieren nur so schwer ist
Weil das Ausbeuten und Betrügen gelernt sein muß?
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